Mach‘ mal OM – Von Ungeduld und Wutanfällen

Published On: September 2nd, 2021

Es gab Zeiten, in denen es schon reichte, wenn ich an einer Kasse anstehen musste und jemand vor mir viele Artikel im Einkaufswagen hatte, um mich zu einem genervten Augendrehen gepaart mit einem innerlichen Schnauben hinreißen zu lassen.

Und wenn mein Gegenüber gefühlte 3 Stunden brauchte, um endlich auf den Punkt zu kommen, konnte dies schon mal zu einem genervten Fußwippen unter dem Tisch führen, und am liebsten hätte ich meinen Kopf auf selbigen geknallt und ein lautes «Ich flipp gleich aus hier!» von mir gegeben.

Und wenn ich nicht innerhalb von 24 Stunden eine Antwort auf eine E-Mail oder SMS hatte und somit nicht weiterarbeiten konnte, brachte dies mein Blut zum Kochen, und ich geriet geradezu in «Ungeduldsrage».

Auf «Schneckenpost»-Autofahrer und Stausituationen mit sagen wir mal nicht ganz jugendfreien Zwischenrufen meinerseits möchte ich lieber nicht im Detail eingehen. Kurz: Überall, wo Geduld gefragt war, erlitt mein eher sanftmütiges und ausgeglichenes Gemüt gnadenlos Schiffbruch und ließ mich zur Drama-Queen mutieren.

Ich fühlte, dass Leichtigkeit und Freude im Leben es manchmal wirklich schwer hatten, zu mir durchzudringen. Ich beschloss, dass es Zeit für eine stille Einkehr war, wiederholte immer wieder das Wort Geduld und spürte, wie die Anspannung langsam aus meinem Körper und meinem ganzen Sein wich. Und je entspannter ich wurde, umso klarer wurde mir, was in mir ablief: Ich war eine Gehetzte meiner eigenen Ungeduld. Es wurde mir bewusst, dass hinter der Ungeduld die Angst steckte, nicht genügend Zeit zu haben, woraus sich wiederum der Druck entwickelte, es nicht zu schaffen. Was so viel heißt, wie Angst vor dem Versagen zu haben, woraus Wut und Aggression gegen mich selbst und andere entstanden, weil ich mich schlicht überfordert fühlte.

Mit diesem sagen wir mal «Eigenreflexions-Striptease» möchte ich dir bewusst machen, dass Ungeduld viel mehr ist als eine sogenannte Charaktereigenschaft und zu einem versteckten Lebensfreude-Killer werden kann, wenn wir nicht aufpassen.

Ich möchte dir auch bewusst machen, was wir uns und unseren Mitmenschen antun, wenn wir nicht geduldig mit uns und ihnen sind, denn das kann im schlimmsten Fall zu Schmerz und Krankheit führen. Nicht umsonst heißt es: Geduld ist die Tugend der Könige. Es ist eine Tugend, die wir uns zu eigen machen sollten, wenn wir ein glückliches und gesundes Leben führen wollen, wenn wir liebevolle und respektvolle Beziehungen zu uns selbst und zu anderen pflegen möchten.

Doch wie werden wir geduldiger? Denn jedes Mal, wenn wir in Stress geraten, ist uns eventuell die Geduld abhandengekommen. In solchen Momenten ist es gut, genau hinzuschauen: Wo habe ich das Gefühl, ich hätte ein Zuwenig? Oder ein Zuviel? Hänge an diesem Thema nur ich oder noch andere Menschen? Wie gehe ich damit um, über andere Menschen keine Kontrolle/keinen Einfluss auf sie zu haben (das ist sowieso eine ganz wichtige Frage in unserem Leben!)? Denn sich in Geduld zu üben, hat auch damit zu tun, Kontrollbedürfnisse abzugeben, sich zurückzunehmen und sich die Erlaubnis zu erteilen, sich selbst und auch anderen die Zeit zu geben, die man braucht.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf meinen Februar-Beitrag über den Frühling zurückkommen. Auf dieses Gefühl, wenn wir zuschauen dürfen, wie alles erwacht und das Grün sich in den schönsten Farben zeigt. Wir alle genießen diesen Prozess. Ohne Natur können wir Menschen nicht überleben, sie nährt uns, körperlich und seelisch. Wie gesagt, wir genießen diesen Prozess, alles geschieht in seinem Tempo, und wir sind, ohne dass es uns bewusst ist, denn es ist eine Selbstverständlichkeit, GEDULDIG.

Niemand käme es in den Sinn, sich im März vor einen Apfelbaum zu stellen und ihn anzuschreien: «Hey, du da! Ja, genau dich meine ich, du kleines Dingelchen! Geht das auch ein bisschen schneller?? Ich will dich schon im April essen. Kapiert?!?!» Und wieso? Genau: Weil es sinnlos ist. Aber bei uns selbst tun wir das. Etwas in unserem Unterbewusstsein scheint uns anzuschreien: Hey, vorwärts, hopp, hopp! Ich denke, es liegt auch dran, dass ein Teil von uns das Gefühl hat, wir hätten ein Anrecht darauf, dass alles jetzt und sofort sein muss. Und das spiegelt uns die Welt doch auch wieder. Eigentlich können wir uns alles leisten: hier und jetzt – selten braucht es noch ein langes Sparen auf etwas (was übrigens eine super Geduldsübung ist, denn wir richten den Fokus auf etwas, das im Moment noch nicht realisierbar ist).

Und wo müssen wir denn überhaupt noch geduldig sein? Online bestellen und innerhalb von 24 Stunden beliefert werden, anstelle von Schlange stehen; zum Friseur, Arzt etc. geht es auf Termin; wenn wir etwas wissen wollen, googlen wir es.

Ich denke, Geduld ist nicht nur die Tugend der Könige, sondern auch der Bodenständigen und Visionäre, die erkennen, dass Ungeduld nicht nur ein menschlicher Charakterzug ist (was okay ist), sondern auch immer mehr eine Zeiterscheinung. Auf der einen Seite ist es unsere Technologie, die unser ICH WILL und ZWAR JETZT mit «immer schneller» füttert, auf der anderen Seite unser Menschsein, das sich nicht im gleichen Tempo entwickelt. Das vergessen wir leider oft. Vielleicht hat auch genau dieser Anteil das Gefühl, wir müssen so schnell sein wie unsere technischen Hilfsmittel. Oder sind wir nur so schnell wegen ihnen?

Geduld haben heißt also, sich bewusst zu machen, dass wir Menschen sind und Zeit brauchen. Für unsere Entwicklung, unsere Heilung.

Gib dir täglich ganz bewusst selbst die Erlaubnis, dir so viel Zeit zu gewähren, wie du brauchst, um zu reflektieren, anzukommen, zu heilen.

Hör auf, dich selbst anzutreiben und selbst zu verletzen. Du verstärkst mit dieser Haltung nur das, was du ja nicht willst: dir das Gefühl des Zuviel oder des Zuwenig zu geben. Mach dir dieses Geschenk jedes Mal, wenn du warten musst. Sag dir: «Ich habe Geduld, und es ist alles in Ordnung. Ich gebe mir selbst die Erlaubnis, in diesem Moment entspannt und geduldig zu sein.» Diese Sätze sind Balsam für deine Seele und deinen Körper, denn du gibst deine Erlaubnis und Bereitschaft, diesem Moment die Zeit zu gewähren, die er braucht.

Als bei mir dieser Prozess anfing, habe ich zudem täglich am Morgen und vor dem Schlafen affirmiert: «Ich habe genügend Zeit für alles, was wichtig ist. Ich bin geduldig mit mir und meinem Prozess. Alles ist gut, so wie es ist.»

Vielleicht gelingt dir das nicht von Anfang an, aber ich frage dich: Wer wird schon als König geboren?

Wenn ich dich mit meinen Affirmationen inspiriert habe, kannst du diese unten als PDF downloaden.

Glaub’ daran, dass du jederzeit ein besseres und schöneres Leben haben kannst, unabhängig vom Außen!

Wenn du mit meinen Tipps gute Erfahrungen gemacht hast, freue ich mich über Rückmeldung!

Oder vielleicht hast du einen eigenen guten Umgang mit Ungeduld gefunden? Wenn ja, lass es mich bitte wissen.

Auf deinem einzigartigen Weg wünsche ich dir Liebe, Licht und Frieden und das Bewusstsein, dass du nicht alleine bist! Fühl‘ dich umarmt, geliebt und gesegnet.

Susanna

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